Sonntag, 05 September 2010
 
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Aktionsbündnis gegen Neo-Nazis Drucken E-Mail
Geschrieben von Ronald Woelfel   
Donnerstag, 03 August 2006

Damit das nicht eine Imagekampagne der Stadt Fulda bleibt, veröffentlichen auch wir den Aufruf, der im wesentlichen von der CDU und den Kirchen, aber auch anderen kritischen Gruppen, wie z.B. von der attac Regionalgruppe Fulda oder der Linken.Offenen Liste unterzeichnet wurde. 

Abgesehen von 5 Tippfehlern wurde der folgende Text 1:1 aus dem PDF des Aktionsbündnisses übernommen: 

 


Aufruf für Demokratie und Weltoffenheit

„Freiheit der Rede, Freiheit des Bekenntnisses, Schutz des einzelnen Bürgers vor der Willkür verbrecherischer Gewaltstaaten, das sind die Grundlagen des neuenEuropa“ (aus dem 5. Flugblatt der Weißen Rose)

In dieser über Stadt und Region hinaus weisenden Überzeugung und im Bewusstsein ihrer politischen und religiösen Unterschiede haben Fuldas demokratische Parteien,die Kirchen, die jüdische Gemeinde und zahlreiche zivilgesellschaftliche Organisationen das Aktionsbündnis gegen Neo-Nazis – Fulda bleibt demokratisch und weltoffengebildet.

Am 19. August, dem Geburtstag des Naziverbrechers Rudolf Heß, wollen Neonazis durch Fuldas Innenstadt marschieren mit einer Kundgebung auf dem Domplatz unsere- bei allen Unterschieden - gemeinsamen Werte durch Wort und Tat verhöhnen.

Gegen diese Provokation haben wir uns im Aktionsbündnis gegen Neo-Nazis – Fulda bleibt demokratisch und weltoffen zusammengefunden. Wir wollen mit Musik, Feiern,Information und Gebet ein Zeichen setzen.

Fulda lehnt Veranstaltungen von Gegnern unserer Verfassung ab. Fulda ist eine werteorientierte Stadt. Dies belegen die Männer und Frauen, die den Nazis widerstanden und dafür zum Teil mit Verfolgung, Verhaftung, KZ oder dem Tod büßten.  Stellvertretend genannt seien der katholische Priester Konrad Trageser, der im KZ sterben musste, ebenso Sparkasseninspektor Raimund Biedenbach, der am 20.  September 1944 hingerichtet wurde, weiterhin Mitglieder der Eisenbahnergewerkschaften, u.a. Karl Engel, Alfred Limpert und Bernhard Scheffel die für die Internationale Transportarbeiter-Förderation illegal Flugblätter verteilten, die entlassen und verhaftet wurden, nicht zuletzt die Vinzentinerinnen Adolfine Fabra und Hedda Wagner, die behinderte Kinder aus dem Antoniusheim vor der Ermordung durch die Nazis bewahrten.

Der Neo-Nazi-Aufmarsch richtet sich damit gegen unsere Stadt, in der die Nationalsozialisten bei den letzten freien Wahlen 1933 keine Mehrheit hatten, gegen das friedliche und partnerschaftliche Zusammenleben der Menschen verschiedener Herkunft, Kultur und Nationalität in Fulda.

Nazis raus aus unserer Stadt!

Das Aktionsbündnis ruft für den 19.08.2006 ab 11.00 Uhr zu einer breiten Palette an Veranstaltungen, Demonstrationen und Kundgebungen auf.

Am Domplatz, Bonifatiusplatz und in der Pauluspromenade werden eine bunte Reihe von Informationsständen der verschiedensten kirchlichen und bürgerschaftlichen Organisationen für eine tolerante, solidarische und demokratische Gesellschaft werben.  Mehrere Rednerinnen und Redner sprechen zu uns.

Am Uniplatz findet eine Kulturveranstaltung "Künstler gegen Rechts" statt.  Rund um die Christuskirche und am Jerusalemplatz werben wir für Weltoffenheit, Demokratie und Toleranz. 

Wir rufen alle Fuldaerinnen und Fuldaer,
alle Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt auf:

Der Domplatz und die Innenstadt gehören uns!
Wir nehmen teil an diesem Aktionstag für
Demokratie und Weltoffenheit!

Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit dürfen in Fulda keinen Platz haben. Sie widersprechen den Werten und Traditionen unserer Stadt.

Die heutigen Rechtsextremen sind nichts mehr und nichts weniger als die Nachfolger der massenmörderischen Nazis, Verächter der universellen Menschenrechte, wahnhafte Antisemiten und ohne jedes Programm für die innen- und weltgesellschaftlichen Herausforderungen der Gegenwart.

Die Organisatoren des Aufmarsches wollen gegen den Paragraphen 130 StGB (Volksverhetzungsparagraph) demonstrieren, um sich und ihresgleichen die Freiheit zu bewahren, die verbrecherische nationalsozialsozialistische Gewalt- und Willkürherrschaft auch zukünftig öffentlich verteidigen zu können. Und auf diese Weise wollen sie den Boden für eine Wiederholung des Nazi-Systems bereiten.

Wir Demokraten haben das Recht auf unserer Seite, aber auch die Pflicht und die Verantwortung, dieses Recht gegen die Ewiggestrigen zu verteidigen. Wir dürfen nicht vergessen, dass die Sympathisanten der Nazi-Ideologie nur so stark sind, wie man sie werden lässt!

Sollte die Stadt Fulda mit ihrer verwaltungsgerichtlichen Klage gegen den Neonazi-Marsch durch Fulda erfolgreich sein, verschwindet der Neonazismus nicht aus dem öffentlichen Leben. In diesem Sinne werden sich die Unterzeichner auch über den 19.  August hinaus dauerhaft für Toleranz, Solidarität und Weltoffenheit in einzusetzen. 

Aktionsbündnis gegen Neo-Nazis - Fulda bleibt demokratisch und weltoffen 

Erstunterzeichner:

CDU-Stadtverband (Thomas Bach), SPD-Stadtverband (Werner Krah), Bündnis 90/Die Grünen-Stadtverband (Ernst Sporer) FDP-Stadtverband (Martin Olk).  Domkapitel (Prof. Dr. Werner Kathrein), Ev. Gesamtgemeinde Fulda (Pfarrer Fried-Wilhelm Kohl, Pfarrerin Petra Hegmann), Jüdische Gemeinde (Linde Weiland), Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit (Hiltrud Strupp), Netzwerk gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit (Prof. Knut Krusewitz), DGB (Arno Enzmann), DGB-Jugend (Anke Muth) ver.di FB 8 Osthessen (Martin Uebelacker), UNO - Eine Welt in Fulda (Hashem Savoji), attac - Regionalgruppe Fulda (Ferdinand Betz), Pax Christi (Ferdinand Betz), Ausländerbeirat Fulda, Linke.Offene Liste (Günter Maul), KUZ Kreuz e. V. (Wolfgang Wortmann)


 

Letzte Aktualisierung ( Donnerstag, 03 August 2006 )
 
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